Süßliches Leben

Was für eine vielfältig wogende Welt, in der zu leben wir das Glück haben. Auf dem Balkon duften die Zitronenblüten, schwer, südlichsüß. Der heranschwebende Abendhimmel vertintet sich immer mehr.

Die Luft ist weich und nah wie so oft deine Haut, du freilich bist nicht so nah wie ersehnt. In Gedanken freilich; aber Gedanken können berühren, anfassen können sie nicht.

Gestern schien ich von einem Augenblick zum nächsten am Rand meines Lebens zu stehen und dann – nach mühseliger Nacht ohne Schlaf – heute wieder sprudelnde Kreativität, Heiterkeit und allerlei Zukunft.

Aber grad am Abend, nach vollbrachtem Tag, drängt offenbar die Sehnsucht nach Nähe. Heute ohne Erfüllung.

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  2 comments for “Süßliches Leben

  1. 17. Februar 2018 at 20:03

    Lösch mir die Augen aus

    Lösch mir die Augen aus: ich kann dich sehn,
    wirf mir die Ohren zu: ich kann dich hören,
    und ohne Füße kann ich zu dir gehn,
    und ohne Mund noch kann ich dich beschwören.
    Brich mir die Arme ab, ich fasse dich
    mit meinem Herzen wie mit einer Hand,
    halt mir das Herz zu, und mein Hirn wird schlagen,
    und wirfst du in mein Hirn den Brand,
    so werd ich dich auf meinem Blute tragen.

    Rainer Maria Rilke, Sommer/Herbst 1899

  2. 17. Februar 2018 at 20:27

    lieber stefan, wie kommst du auf die idee, mir dieses – ein wenig heftige – liebesgedicht zu schicken?
    georg

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